Erfahrungsbericht „Vaasan yliopisto“
· Vorbereitungen
Die Vorbereitungen seitens der EUV waren exzellent.
Im Informationsgespräch mit Frau Reise ist auf sämtliche Fragen eingegangen
worden. Die Unterlagen wurden ausgehändigt und erklärt, sodass ein Überblick
entstand, was wann zu tun ist. Die Bewerbung an der Vaasan yliopisto war
ebenfalls ohne großen Aufwand online möglich. Nach erfolgreicher Einschreibung
bekommt jeder Austauschstudent einen Tutor zugewiesen, der für fast alle Fragen
eine Antwort hat. Der Kontakt zum Tutor bleibt die ganze Zeit des Austauschs
bestehen, was sehr hilfreich ist.
Kurz etwas zum Hin- und Rückflug: Ich bin mit SAS
geflogen, was für mich der günstigste Flug war. Angekommen bin ich am
31.07.2014 und habe eine Nacht im Hotel übernachtet. Zurückgeflogen bin ich am
23.12.2014.
·
Sprachkurs und
Vorbereitungen vor Studienbeginn
Sehr zu empfehlen ist der „Finnish Intensive Language
Course“ (5 ECTS, 90 EUR) der 4 Wochen vor offiziellen Studienbeginn, Anfang
August, beginnt. Die Tatsache, dass man 4 Wochen eher im Gastland und an der
Universität ist, verschafft einem mehr Zeit alle notwenigen Dinge zu erledigen
und dabei weniger Zeitdruck zu haben. Neben dem Einreichen der notwendigen
Unterlagen, hat man die Zeit seine Kommilitonen kennenzulernen und seine
Wohnung / sein Zimmer einzurichten und mit allem vertrauter zu werden. Die
„Studentenunion Vaasa“ stellt ein kleines bzw. großes Survival Kit zusammen.
Ich persönlich hatte das Große, welches Bettwäsche, Handtuch und allerlei
Geschirr/Besteck enthielt. Dieses hat 70 EUR gekostet. Bei vollständiger
Rückgabe erhielt man am Ende 50 EUR zurück. In der letzten Augustwoche finden
die Einführungsveranstaltungen zu sämtlichen Belangen statt. Neben der
Begrüßung der neuen Erasmusstudenten, stellt jede Fakultät sich und ihre Kurse
vor.
·
Unterkunft
Die Unterkunft in Vaasa wird durch VOAS
organisiert. Ich kann nur empfehlen gleich nach Bestätigung der Viadrina sich
dort anzumelden und sich für einen Platz in einem Wohnheim zu bewerben. (First
come- first serve)
Beachten sollte man bei seiner Ankunft, dass nur an
bestimmten Wochentagen der Schlüssel abgeholt werden kann.
Ich habe in SUVIBOXI gewohnt, das von vielen
vorherigen Erfahrungsberichten nicht empfohlen wird. Eine so schlechte
Erfahrung konnte ich nicht machen. Suviboxi ist außerhalb des Stadtzentrums im
südlichen Stadtteil: Suvilahti. Es war eine 3er WG und jede Partei erhält ein
eigenes Zimmer mit Internetanschluss, Tisch, Stuhl, Bett, Kleider- und
Bücherschrank. Das Zimmer in der WG kostete ca. 215 EUR, was für finnische
Verhältnisse extrem günstig ist. Das Wohnheim hat eine Sauna, Fahrradkeller und
einen Waschraum.
Beachten sollte man, dass ein Fahrrad ein must-have
in Vaasa ist. Ohne Fahrrad dauert es von Suviboxi ca. 50 min bis zur Uni und 30
min ins Zentrum. Es ist ratsam sich ein sehr gutes Fahrrad zu beschaffen (ca.
80-100 EUR). Die Investition in ein gutes Fahrrad lohnt sich ganz besonders.
Man muss bedenken, dass es jeden Tag (auch bei Schnee und Eis und arktischem
Wind) in Gebrauch ist. Ich hatte ein Mountainbike (50 EUR) und musste es
wöchentlich reparieren. Außer der Entfernung kann ich nichts Negatives über
Suviboxi schreiben. Es gibt zwei Einkaufmöglichkeiten mit Post 2 min entfernt,
einen Second-Hand Store um die Ecke und die Bushaltestelle direkt vor dem
Studentenwohnheim. Busfahren in Vaasa ist jedoch teuer: 3 EUR pro Strecke. Da
in Suviboxi mehrheitlich finnische Studenten wohnen, ist es sehr ruhig.
Wer es lauter und internationaler mag, kann sich
für LINNA, TEKLA oder OLYMPIA bewerben. Ich kann auf jeden Fall LINNA (dt.
Burg) empfehlen, in dem der Großteil meiner Erasmus Kommilitonen gewohnt hat.
Es hat ebenfalls eine Sauna, Waschsalon, Keller und man wohnt in 2er / 3er WGs (vollmöbliert). Von dort
sind es 10 min mit dem Fahrrad zur Uni.
· Studium an der Gasthochschule
Der Campus der Uni Vaasa ist sehr modern und gerade
in den Sommermonaten sehr schön. Alle angebotenen Kurse sind in den jeweiligen
Gebäuden, sprich der Campus erstreckt sich nicht auf ganz Vaasa. Ich habe folgende
Kurse belegt:
o
Finnish Intensive Langauge
Course (vor offiziellen Studienbeginn) – 5 ECTS, 90 EUR
§ Sehr zu empfehlen
o
Introduction to Finance and Accounting (3 ECTS)
§ Als Jura Student bekommt man hier einen guten
Einstieg in die Materie
§ Für die Abschlussklausur muss man sich jedoch
zusammenreißen und viel lernen
o
Nordic Perspective on Marketing (5 ECTS)
§ Gruppenarbeit, Präsentation und Abschlussklausur
o
Language Buddy (2
ECTS, vergleichbar mit Tandem)
§ Ich hatte bereits an der EUV mit Schwedisch
begonnen und wollte meine Kenntnisse erstens nicht vergessen und zweitens
vertiefen
§ Man bekommt einen Buddy zugewiesen und lehrt dem
anderen seine Muttersprache(n), was viel Spaß macht und erfolgversprechend ist
§ Man kann sich seine Treffen selbst zusammenbasteln
§ Am Ende muss ein Bericht abgegeben werden
o
Market Law, Media Law und Legal Aspects of Electronic
Business (7+6+6 ECTS)
§ Self-study courses
§ man sucht sich jeweils 3 Themen aus (oder nimmt die
vorgegebenen) und schreibt Essays (5-10 Seiten) zum Thema, auf Englisch
§ Vorteil: man kann sich viel Zeit lassen und die
Kurse über das gesamte Semester abarbeiten
§ Wichtig ist sehr viel Selbstdisziplin. Ich habe mit
dem Schreiben der Essays erst Anfang November begonnen und man hat am Ende des
Semesters sehr viel Druck, besonders durch andere Prüfungen
o
Electricity Trade Law (2 oder 6 ECTS)
§ Kurs an der schwedischsprachigen Svenska
Handelshögskolan
§ Anmeldung problemlos über eine Uniübergreifende
Vereinbarung (JOO-Agreement)
§ 2 ECTS nach Zwischenprüfung
§ 6 ECTS nach Abschlussklausur
§ Sehr zeitintensiv und kompliziert, EU
Rechtskenntnisse sehr zu empfehlen
Wie man sieht, hatte ich eine bunte Mischung aus
vielen Fakultäten. Jura Studenten sind an der Philosophischen Fakultät
eingeschrieben; man kann aber problemlos Wiwi Kurse besuchen. Die
Abschlussklausuren waren meist schwerer als gedacht, aber sie lassen sich
meistern. Die Klausurfragen in den Wiwi Kursen waren entweder durch
Berechnungen, Multiple Choice (was nicht immer einfacher ist) oder in Essayform
zu beantworten. Zudem hat man viel Zeit zur Verfügung.
Zusätzlich zu meinen Uni Kursen hatte ich noch
einen Schwedisch Kurs am Vasa Arbis, vergleichbar mit der dt. VHS. Wer in
Vaasa, neben seinen Finnisch Kenntnissen, auch seine Schwedisch Kenntnisse
auffrischen will, ist hier gut aufgehoben. Die Stadt ist komplett zweisprachig,
heißt, dass man bspw. im Supermarkt immer in zwei Sprachen begrüßt und
verabschiedet wird.
·
Alltag und Freizeit
Preise im Alltag
Finnland ist teuer – keine Frage. Am ersten Tag
bekommt man in dieser Hinsicht einen Kulturschock. Man gewöhnt sich aber
relativ schnell daran und es wird trotzdem jeden Tag darüber geredet. Ein Tipp
von meiner Seite: immer die
größten Packungen kaufen, dann hat der Kilopreis
annähernd deutsches Preisniveau und man muss nicht so oft einkaufen gehen. Für
einen Standard-Wocheneinkauf muss man schon ca. 40 EUR einkalkulieren. Es lohnt
sich in der Uni Mensa „Mathilda“ zu Mittag zu essen. Ein komplettes Gericht,
inklusive Getränk und Salat mit Brot kostet 2,00 bis 3,20 EUR.
Preise beim „Ausgehen“
Der Eintritt in einem Club ist abhängig von
Studentenspezial oder Normal: 3 bis 8 EUR Eintritt. Zusätzlich kommt die
obligatorische Abgabe der Jacken an der Garderobe für 2,50 – 3,50 EUR. Ein Bier
kostet im Durchschnitt 6 EUR.
Man sollte unbedingt die Angebote der
Studentenpartys ausnutzen, besonders SitSit Partys!
Besonders
empfehlen kann ich den „schwedischsprachigen“ Pub OlliesInn und das finnische
Korrespondent „FONTANA“.
Ausflüge
Die Uni Vaasa
und ESN Vaasa bieten etliche Trips an. Ich war im Rahmen des Finnischkurses in
Tampere und nach der Einführungswoche auf dem Helsinki-Tallinn Trip (ca.100
EUR). Im Oktober wurde der St.Petersburg Trip von ESN Vaasa angeboten, der mit
ca.320 EUR teuerste Ausflug.
St.Petersburg ist eine absolut sehenswerte Stadt. Ende November hat die Uni den
Lapland Trip (ca. 215 EUR) angeboten, den keiner missen sollte. Da die Plätze
sehr schnell weg sein können, gibt es kein Grund sich zu ärgern: ESN Vaasa
bietet zwei weitere Ausflüge nach Lappland an. Wer so viel Glück hatte, wie
wir, kann dort oben die Polarlichter bestaunen.
Zwischendurch bin ich ein Wochenende nach Umeå
gefahren. Die Fähre legt von Vaasa ab und ist nach 3 Std. In Schweden. Weitere
Ausflüge brachten mich nach Jyväskylä, Oulu und Rovaniemi.
Zugfahren in Finnland ist für Studenten sehr günstig. Mit dem
entsprechenden Nachweis erhält man 50% Ermäßigung auf alle VR - Bahnfahrten und
Busfahrten von Matkahuolto.
Freizeit
und Sport
Da ich täglich mit dem Fahrrad an die 15-20km
unterwegs war, erübrigte sich ein Fitness Studio für mich. Wer mag, kann in der
Stadtschwimmhalle (Uimahalli) schwimmen oder Fitness betreiben. Im
August/September hatten wir die Möglichkeit an den zahlreichen kleinen Stränden
zu grillen und Volleyball zu spielen. Auch Laufen/Jogging ist in Vaasa ideal
und unter den Einheimischen extrem beliebt (bei jedem Wetter oder jeder
Temperatur).
Wichtig wäre es vielleicht sich vorab einen Vorrat
von Vitamin D Tabletten zu besorgen. Ab Mitte November zeigt sich die Sonne nur
relativ selten und ab Dezember, in meinem Fall, einmal alle zwei Wochen.
·
Fazit
Eine „schlechteste“ Erfahrung fällt mir auf Anhieb
nicht ein. Negativ war, dass mein Fahrrad oft gestreikt hat und ich mehrmals,
besonders in den letzten Wochen und Tagen meines Aufenthalts mehrere Stunden
bei frostigen Temperaturen durch ganz Vaasa laufen durfte. Zum Teil wird es
auch nervig auf jeden Euro zu schauen, wie ich es immer gemacht habe. Die
Momente mit den entstandenen Freundschaften haben meist alles wettmachen können.
Sehr schön waren die Ausflüge, das Sammeln von Eindrücken in einer neuen Kultur
und meiner entstandenen Leidenschaft zur Fotografie von Polarlichtern.
Wer Zeit findet kann unter http://bit.ly/1CKaVSz meinen Blog einsehen.
Überwiegend kann ich jedem ein Semester in Finnland
und in Vaasa ans Herz legen.


